Interview: Auswirkungen des Krisenjahres 2009 auf die Druckfarbenindustrie
Erwartungen und Tendenzen 2010


Heiner Ringer spricht über die Auswirkungen der wirschaftlichen Bedingungen auf die hubergroup während der vergangenen 20 Monate und welche Entwicklungen er in der Folge der neuesten Rohstoff-Preistrends erwartet.

Beispiel: Rohstoffkostenentwicklung
Kolophonium

Wie hat die hubergroup die Finanz- und Wirtschaftskrise überstanden?

Unsere Industrie wurde in den letzten beiden Jahren 2008 und 2009 von verschiedenen Krisen gebeutelt: Da war die Rohstoffkrise Mitte 2008. Die Preisentwicklung schoss gegenüber 2007, nach der drupa, um ca. 30% in die Höhe. Eine derartige Entwicklung hatte die Druckfarbenindustrie in der gesamten Nachkriegszeit noch nie zu verkraften. Der Höhepunkt des Preisanstieges für die Rohstoffkosten lag im Sept./Okt 2008. Zum Jahreswechsel 2008-2009 beruhigte sich die Preissituation zwar wieder, aber „nur um sich zu einer drastischen Bedarfsreduzierung zu wandeln“. Je nach Geschäftsfeld waren im 1. Q 2009 Rückgänge des europäischen Bedarfs um bis zu 25% zu verzeichnen. Bis heute ist das Niveau des Jahres 2007 noch nicht wieder erreicht. Hinzu kamen extreme Wechselkursschwankungen. Dem konnte sich wohl niemand völlig entziehen, das blieb natürlich nicht ohne Auswirkung auf die hubergroup: Der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2008 ging um ca. 50 Mio. € oder 7% zurück. Der Gewinn vor Steuern hatte sich bereits im Jahr 2008 halbiert, während er sich 2009 wieder leicht erholte, vorwiegend aufgrund günstiger Rohstoffkosten und Wechselkurse, nicht aber aufgrund von Bedarfsanstieg.

  Wie hat die hubergroup darauf reagiert?

Wir haben halt den „Gürtel enger geschnallt“, soll heißen wir haben alle ausgabenrelevanten Positionen einer strengen Kontrolle unterworfen und gespart, wo es geht. Wir konnten zwar „Kurzarbeit“ zu Lasten des Steuerzahlers vermeiden, haben aber mit der gesamten Belegschaft der hubergroup eine freiwillige Lohn- und Gehaltssparmaßnahme vereinbart in der Größenordnung von ca. 9%. Eine Maßnahme, die wir - Gott sei’s gedankt – gegen Ende 2009 aufgrund einer leichten Ertragsverbesserung, vorwiegend wechselkursbedingt - wieder rückgängig machen konnten. Wir haben uns bemüht langfristige wesentliche Ausgaben nicht zu kürzen, wie z.B. wichtige Investitionen oder Ausgaben in Forschung- und Entwicklung, aber andere eher „ nice to have“ Ausgaben wie z.B. Teilnahme an der nächsten drupa fielen bei der Kosten-Nutzen Prüfung einfach durch.
  Bezogen auf Europa, welche nationalen Märkte haben sich 2009 besonders „hervorgetan“ und gibt es schon Anzeichen des Aufschwungs für die Zukunft?

Nach der Statistik des Europäischen Druckfarbenverbandes EuPIA sind die Skandinavischen Länder stark getroffen worden, auch BENELUX und Spanien. England wurde insbesondere infolge der Finanzkrise durch eine Pfundabwertung schwer mitgenommen. Leider hat sich kaum eine Region positiv hervorgetan. Es ist halt bei einer Weltwirtschaftskrise so, dass es jeden irgendwie betrifft. Wir dürfen wohl auch mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft blicken. Die Bedarfszahlen fallen derzeit nicht weiter und es scheint als sei die Talsohle durchschritten. Die Druck- und Druckfarbenindustrie steht aber trotzdem vor großen Herausforderungen und die kommenden Monate werden wohl ein klareres Bild über die Tendenzen zeichnen.

Beispiel: Wechselkursverlauf
€ - US $
Welche Bedeutung haben die Rohstoffpreise für die hubergroup und wie sehen Sie die Entwicklung?

Glücklicherweise sind Rohstoffpreise in Zeiten schwacher Konjunktur auch oft sinkend. Jetzt ziehen sie aber schon wieder deutlich an, wie nicht nur an der Tankstelle zu bemerken ist. Nach unseren Beobachtungen war das Rohstoffpreisniveau im Q3 2009 am niedrigsten. Allerdings auch die Beschäftigungslage. Seither ist ein stetiger Preisanstieg zu verzeichnen, der durch den schwachen € noch verstärkt wird. Der konjunkturelle Aufschwung lässt auch noch auf sich warten. Ich denke jedermann wird sich irgendwie auf weiter steigende Kosten einstellen müssen. Die hubergroup beobachtet die Entwicklung sorgfältig und bereitet sich und ihre Kunden auf eventuelle Preiserhöhungsnotwendigkeiten im 3. oder 4. Quartal vor.
  Welche Rohstoffe für die Produktion von Farbe, abgesehen von der Energie, hängen denn noch mit dem Mineralöl zusammen?

Wir verwenden fast an allen Standorten Gas als Energiequelle und nicht Mineralöle. Die Umstellung auf Gas haben wir in unserem Indischen Standort sogar während der Krise planmäßig durchgezogen. Pigmente, als farbgebende Komponente, und Lösemittel basieren fast ausschließlich auf Mineralöl. Im Übrigen geht der Trend zur Verwendung sog. nachwachsender Rohstoffe zügig weiter. In wie weit das allerdings eine tatsächliche ökologische Verbesserung darstellt, oder nur eine Verschiebung des Problems von der Chemischen Industrie zur Landwirtschaft darstellt, ist für uns schwer zu bewerten und eher Aufgabe für die Politik. Ob auf diesem Gebiet die Regierungen immer das Richtige tun, sei dahingestellt. Der ökologische Aspekt Ihrer Frage ist die eine Seite der Medaille, der Kostenaspekt, die andere: Leider werden Preise für Pflanzenöle häufig mit denen der Mineralölpreise gekoppelt.
  Auf welche Kostenfaktoren kann man Einfluss nehmen, um die vorhersehbare Rohstoffkostensteigerung abzufedern?

Natürlich bemüht sich jedes industrielle Unternehmen um laufende Verbesserung des gesamten Herstellungs- und Vertriebsprozesses. So auch die hubergroup. Andererseits tragen wir zu einer Produktivitätssteigerung im nachfolgenden Druckprozess bei, indem unsere Forschung laufend die Laufeigenschaften der Farben für den Druckprozess optimiert. Bekanntlich ist Makulatur ein wesentlich höherer Kostenfaktor als die Druckfarbe selbst. Angesichts des relativ geringen Kostenanteils der Druckfarbe am Druckerzeugnis verwundert es uns immer wieder, wenn über Preise diskutier, das Eigenschaftsprofil der Druckfarbe aber als zweitrangig behandelt wir. Als Beispiel die wirklich migrationsarmen Farbqualitäten für die Herstellung von Lebensmittelverpackungen. Es gibt also auch in unserer Branche ein „Sparen an der falschen Stelle“!
  Wie reagiert die hubergroup auf die steigenden Ansprüche des Marktes in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Umweltfragen?

Wir reagieren nicht, sondern das ist fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags seit geraumer Zeit: Nachhaltigkeit endet aber nicht beim Pflanzenöl in der Druckfarbe. Der „Carbon Footprint“ ist nicht das einzige Kriterium zur Bewertung eines Produktes zu seiner ökologischen Reife: Denn wenn eine Druckfarbe beispielshalber unter Zuhilfenahme von Atomstrom gefertigt wurde und brasilianisches Sojaöl enthält, mag ihr das zwar eine tolle CO2-Bilanz bescheren, macht sie aber nicht zwingend umweltfreundlich. Es ist wirklich schade, dass diese Diskussion zu einem „Schachern um Ablassbriefe“ verkommt, verdiente sie doch eine kontroversere Betrachtung. Die hubergroup konzentriert sich weniger um die schnell vermarktbaren Ziele, als um ein tragfähiges Konzept:

- Transport hat einen wichtigen Anteil in der Energiebilanz – Optimierung von Transportmitteln, Konsolidierung von Transportstrecken, Vermeidung von Leertransporten

- Im Werk bei München ist z.B. der Umstieg auf Geothermie im Gange.

- Prozesseffektivität wird permanent durchleuchtet. Energieeinsparungen bei der Produktion von Farbkonzentraten und Bindemittelsystemen entlasten die Umwelt durch reduzierten Energieeintrag

Das sind nur 3 Beispiele, die für unser Umweltmanagement System stehen.
  Hatte das Jahr 2009 einen Einfluss auf die heutige Geschäftspolitik der hubergroup ?

Nein! Unsere Politik ist trotz der Krise gleich geblieben: Wir stehen für Qualität, Zuverlässigkeit, besten Service und Innovationskraft. Da ändert auch eine Krise nichts daran. Einige unserer Kunden hat das Jahr leider noch stärker getroffen als uns. Gerade in solchen Situationen ist eine funktionierende Partnerschaft gefragt.